Weg der Geschichte Bornheims

Landwirtschaft und Weinbau - 1050 Jahre Weinbau in Bornheim

Die Anfänge des Weinbaus in Bornheim reichen bis in das Jahr 900 zurück. Hier wurden zwei Fuder Wein als Abgabe an den Bischof von Speyer erwähnt. Ein Fuder ist ein altes Mengenmaß von ca. 1000 Liter.

Das Anlegen eines Weingartens/Wingerts war früher eine äußerst mühevolle Arbeit. Der in der Region angewandte Kammertbau erforderte neben der tiefgründigen Rodung des Bodens die Beschaffung von Pfählen und Stangen, denn Draht gab es damals noch nicht. Schlanke, geradewachsende Edelkastanientriebe eigneten sich hierfür am besten. Vermutlich haben die Römer wegen des Kammertbaus die Edelkastanien in die Pfalz gebracht. Wegen dieses aufwendigen Anbaus wurden die Winzer erst nach 10 Jahren zur Pachtlieferung herangezogen.

Schon im Mittelalter entwickelte sich die Südpfalz zu einem bedeutenden Weinanbaugebiet. Klöster und Adelige förderten den Anbau massiv, da Wein ein begehrtes Handelsgut war. Dass auch in Bornheim Wein angebaut wurde, ergibt sich aus den Einträgen im Bornheimer Seelbuch der Jahre 1464 und 1525. Es berichtet über den Pfarrer und das Kirchengut, zu dem auch ein Weingarten gehörte. Aus den Erträgen wurden die Kosten für den Unterhalt der Kirche beglichen und auch der Messwein gewonnen.

Im frühen Mittelalter (ca. 1000 bis 1500) wurden die Reben im „Gemischten Satz“ angepflanzt, wobei verschiedene Sorten gemeinsam geerntet und gekeltert wurden. Dominante Sorten waren der Räuschling, Gelber Orleans und der Grünfränkisch.

Im Weinberg von Herrmann MesserschmittIm Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit (ca. 1500 bis 1900) zwang die „Kleine Eiszeit“ die Winzer dazu, kälteresistentere und früher reifende Sorten anzubauen. Ab dem 18. Jahrhundert gewann der Riesling wegen seiner Qualität massiv an Bedeutung. Ertragreiche, aber qualitativ schwächere Sorten wie der Heunisch wurden durch den Silvaner ersetzt.

Ab dem 20. Jahrhundert bis heute verbreiteten sich viele Neuzüchtungen wie Müller-Thurgau, Kerner und Scheurebe. In den 1970er Jahren stieg der Dornfelder zur wichtigsten Rotweinsorte der Pfalz auf (Bild: Im Weinberg von Herrmann Messerschmitt).

Ruth Frey mit der kleinen Gabriele bei der Weinlese im Herbst 1960Die Entwicklung des Weinbaus in der Pfalz wurde durch die Einschleppung neuer Rebkrankheiten aus Amerika empfindlich gestört. Besonders die Reblaus erforderte neue Anbaumethoden. Durch das Aufpfropfen der Edelreißer auf reblausresistente Wurzelstöcke konnte die Reblaus besiegt werden.

Ab 1880 wurden die Holzstangen der Kammererziehung durch Draht ersetzt. Durch den Wegfall der Querstangen war jetzt der Einsatz von Pferd und Pflug möglich (Bild: Ruth Frey mit der kleinen Gabriele bei der Weinlese im Herbst 1960).

Früher Weinbergstrecker um 1966 im "Dammer Weech"Heute haben die Rebzeilen einen Abstand von 2 Metern mit 1,20 m Pflanzabstand. Hierdurch ist der Maschineneinsatz von Mulchern, Fräsen und Rissern bis zum Vollernter möglich geworden (Bild: Früher Weinbergstrecker um 1966 im „Dammer Weech“).